Förderung und Unterstützung für Startups in Deutschland
Ein paar meiner Studierenden haben mich gefragt, wo man Geld für eine frühe Idee bekommt und wo man Hilfe dabei findet. Das hier ist die Übersicht, die ich für sie zusammengestellt habe, Stand Ende Oktober 2026. Es geht um mehr als Venture Capital: kostenlose Beratung, Stipendien, Kredite, Business Angels, Steuerförderung und Geld von den ersten Kunden. Einige Programme haben sich dieses Jahr geändert, also prüft Fristen und Beträge bitte auf den verlinkten Seiten, bevor ihr euch bewerbt. Wenn euer Startup im Gesundheitsbereich ist, lest auch den Artikel über Health-Startups.
Kostenlose Hilfe und Beratung
Bevor ihr euch irgendwo bewerbt, lohnt sich ein Gespräch mit Leuten, die viele Startups sehen. Das meiste davon kostet nichts.
Wenn ihr an einer Hochschule studiert oder arbeitet, ist deren Gründungsservice die beste erste Anlaufstelle. In Köln machen die Universität zu Köln, die TH Köln, die Deutsche Sporthochschule und die Rheinische Fachhochschule das gemeinsam unter dem Namen Gateway. Dort bekommt ihr Hilfe bei EXIST-Anträgen, Coaching und Büroplätze, und die Leute kennen die Investoren in der Region.
Außerhalb der Hochschule bieten das STARTERCENTER NRW und die IHK kostenlose Erstberatungen an und können auch die fachkundige Stellungnahme schreiben, die manche Programme verlangen. In Köln veranstalten STARTPLATZ und der Digital Hub Cologne Events und Programme, bei denen ihr andere Gründer, Mentoren und Investoren trefft.
Die Gründerplattform von KfW und Bund ist kostenlos und hat Businessplan-Vorlagen, Beispielpläne, die finanziert wurden, Online-Trainings und Sprechstunden. Um Programme zu finden, listet die Förderdatenbank des Bundes Förderungen von Bund, Ländern und EU, filterbar nach Thema und Region. Vollständiger geht es nicht, aber man braucht etwas Zeit, um sich durchzuarbeiten.
Businessplan-Wettbewerbe sind ein weiterer Weg zu Feedback, Kontakten und manchmal Preisgeld. Im Rheinland veranstaltet NUK seit 1997 einen.
Geld von Kunden
Das günstigste Geld ist das, was eure Kunden euch zahlen. Viele gute Firmen nehmen nie Kapital auf und wachsen aus ihren ersten Verkäufen. Wenn ihr einen ersten Kunden findet, der für ein Pilotprojekt zahlt, das Produkt vorbestellt oder euch dafür bezahlt, eine erste Version für ihn zu bauen, behaltet ihr eure Anteile und lernt schneller als mit jedem Zuschuss, weil jemand wirklich nutzt, was ihr baut. Förderung und Investoren bekommt ihr später auch leichter, wenn ihr zeigen könnt, dass Leute zahlen.
Vor oder kurz nach der Gründung
EXIST ist das Bundesprogramm für Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Es läuft seit 1998 und hat über 5.000 Startups gefördert. Laut OECD.AI-Übersicht zahlt das Gründungsstipendium monatlich zwischen 1.000 € für Studierende und 3.000 € für promovierte Gründer, für bis zu 12 Monate, dazu kommt Geld für Sachausgaben und Coaching. EXIST-Forschungstransfer ist für Teams, die noch mehr Forschung vor sich haben, und zahlt bis zu 250.000 € in Phase 1 und 180.000 € in Phase 2. Den Antrag stellt eure Hochschule zusammen mit euch, und sie stellt euch einen Mentor. Geht also zuerst zum Gründungsservice eurer Hochschule. Details stehen auf exist.de.
Das Gründungsstipendium.NRW zahlt laut Seite der IHK Bonn 1.200 € pro Monat und Person für bis zu 12 Monate, also bis zu 14.400 €. Gemischte Teams können zusätzlich 3.600 € pro Person bekommen. Ihr müsst mindestens 18 sein und in NRW wohnen, und das Unternehmen braucht einen Sitz in NRW und ein innovatives Produkt oder eine innovative Dienstleistung. Ein Team kann aus bis zu drei Personen bestehen. Beworben wird über ein akkreditiertes regionales Gründungsnetzwerk: Ihr schickt ein Ideenpapier, pitcht vor einer Jury, und danach empfiehlt euch das Netzwerk.
Der Gründungszuschuss ist für Leute, die Arbeitslosengeld bekommen und sich selbstständig machen wollen. Wie die Agentur für Arbeit erklärt, bekommt ihr sechs Monate lang euer letztes Arbeitslosengeld plus 300 € im Monat und danach neun Monate lang 300 € im Monat, wenn ihr hauptberuflich am Unternehmen arbeitet. Ihr braucht noch mindestens 150 Tage Anspruch, eine Stellungnahme einer fachkundigen Stelle wie der IHK und müsst den Antrag vor dem Start stellen. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht, die Agentur muss also überzeugt sein, dass das Geschäft funktioniert.
SPRIND, die Bundesagentur für Sprunginnovationen, schreibt Challenges zu bestimmten Themen aus und bezahlt Teams in mehreren Stufen für ihre Forschung und Entwicklung, mit Coaching dazu. Wie viel es gibt, hängt von der Challenge ab, also lest die jeweilige Ausschreibung. Das Venture-Booklet 2026 zeigt die Teams, die SPRIND gerade fördert.
Kredite
Ein Kredit klingt weniger spannend als ein Zuschuss, ist aber für ein Geschäft, das früh Geld verdient, oft die realistischste Option. Der Standard ist der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW. Laut KfW liegt er seit Dezember 2025 bei bis zu 200.000 €, davon bis zu 80.000 € für laufende Kosten. Beantragt wird er über eure Hausbank, und die KfW übernimmt 80 % des Risikos. Dadurch sind Banken viel eher bereit, einer neuen Firma Geld zu leihen.
Angels und Investoren
Business Angels sind Privatleute, die ihr eigenes Geld investieren, meistens sehr früh, und oft auch mit Rat und Kontakten helfen. Eine zentrale Liste gibt es nicht, aber die meisten regionalen Angel-Netzwerke sind im BAND organisiert, dem Business Angels Netzwerk Deutschland. Dort findet ihr ein Netzwerk in eurer Nähe und bewerbt euch mit einer einseitigen Zusammenfassung.
Bei NRW.SeedCap verdoppelt die NRW.BANK das Geld, das ein privater Business Angel oder Seed-Investor einbringt, zu denselben Konditionen. Sobald ihr einen Angel habt, könnt ihr die Runde also verdoppeln. Siehe nrwbank.de.
INVEST ist ein BAFA-Zuschuss für die Angels, die in euch investieren. Dadurch wird eure Runde für sie attraktiver. Die aktuellen Fristen stehen auf bafa.de.
Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) ist einer der bekanntesten Seed-Investoren in Deutschland. Er investiert bis zu 1 Mio. € in der Seed-Runde und mehr in späteren Runden. Siehe htgf.de.
Venture Capital darüber hinaus ergibt nur Sinn, wenn ihr etwas baut, das sehr groß werden kann, und ihr bereit seid, dafür einen guten Teil der Firma abzugeben. Für viele Startups passen die Wege oben besser.
Für Firmen, die schon forschen und entwickeln
Die Forschungszulage ist eine Steuerförderung, die viele Gründer nicht kennen oder nicht beantragen. Wie diese Zusammenfassung erklärt, bekommt ihr 25 % der förderfähigen Kosten für Forschung und Entwicklung zurück, als KMU 35 %. Ab 2026 liegt die Bemessungsgrundlage bei höchstens 12 Mio. € pro Jahr, ein KMU kann also bis zu 4,2 Mio. € bekommen. Für Projekte, die 2026 oder später starten, könnt ihr außerdem pauschal 20 % für Gemeinkosten ansetzen. Softwareprojekte zählen, wenn sie neu sind, echtes technisches Risiko haben und sauber geplant und dokumentiert werden. Eine Frist gibt es nicht.
ZIM ist normalerweise das wichtigste Innovationsprogramm für KMU, aber laut IHK werden seit dem 7. Juli 2026 keine neuen Anträge mehr angenommen, weil das Geld knapp ist. Bereits bewilligte Projekte laufen weiter. Ob das Programm wieder öffnet, wird erst nach dem Bundeshaushalt 2027 entschieden.
EU-Ebene
Der EIC Accelerator bietet einen Zuschuss von bis zu 2,5 Mio. €, den man mit einer Beteiligung des EIC Fund von 1 bis 10 Mio. € kombinieren kann. Bewerben können sich Startups und KMU aus der EU und assoziierten Ländern. Laut Open Forest ist der letzte Stichtag 2026 der 4. November, Termine für 2027 gibt es noch nicht. Zuerst reicht ihr eine Kurzbewerbung ein (12 Seiten Formular, 10 Folien und ein 3-Minuten-Video), danach einen Vollantrag, dann folgen ein Interview und die Vereinbarung. Das dauert Monate, also fangt früh an.
Was ich als Team in Köln machen würde
Ich würde mit einem Gespräch bei Gateway oder dem STARTERCENTER NRW anfangen, weil die euch in einem Termin sagen können, welche dieser Programme passen. Vor der Gründung würde ich mich über die Hochschule für EXIST oder über das regionale Netzwerk für das Gründungsstipendium.NRW bewerben. Gleichzeitig würde ich versuchen, einen ersten zahlenden Kunden zu finden, weil das jedes spätere Gespräch leichter macht. Wenn ihr schon eine Firma habt, ist die Forschungszulage der nächste Schritt, weil sie keine Frist hat und für Software funktioniert. Für die Seed-Runde passt NRW.SeedCap gut zu einem Angel aus einem der BAND-Netzwerke. Und wenn ihr an etwas im Gesundheitsbereich arbeitet, findet ihr die Programme und Ansprechpartner dafür im Artikel über Health-Startups.